Dr. Lars Sievert
Facharzt für Allgemeinmedizin Naturheilverfahren Chirotherapie
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Journal für ganzheitliche Medizin und Naturheilkunde

Mai 2000

Herausgegeben vom Institut für ganzheitliche Medizin und Naturheilkunde e. V. Dreieich

S. 3-5

Prinzipien der Mikrobiologischen Therapie

von Dr. med. Lars Sievert

In den letzten 10 Jahren hat sich bei der Erforschung des Darmimmunsystems (GALT) viel getan. Während früher bei der mikrobiologischen Therapie vor allem die Vorstellung vertreten wurde, daß eine Aufforstung der Darmflora durch die zugeführten Darmsymbionten erreicht werde, weiß man heute, daß es sich vor allem um einen immunmodulierende Therapie handelt. Auf der riesigen Darmoberfläche von ca. 400 qm finden sich etwa 1012 bis 1014 Keime von denen nur wenige Arten (es sind 400-500 verschiedene Arten bekannt) genauer erforscht sind (Unser Körper besteht dagegen nur aus ca. 1011 Zellen). Man schätzt, daß etwa 80% des gesamten Immunsystems im Darm lokalisiert ist. Neben den in der Schleimhaut angesiedelten Lymphozyten, Plasmazellen und Makrophagen sind hier vor allem die sog. Peyerschen Plaques zu erwähnen.

Die Frage, ob ein bestimmtes Antigen vom Körper als solches wahrgenommen wird, hängt davon ab, ob es mit den Immunzellen überhaupt in Kontakt kommt. Das hängt davon ab, wie dicht die Besiedelung mit Mikroorganismen ist, da die Keime die Rezeptoren für die Antigenerkennung besetzen können. Zur Aufnahme von Antigenen und zur Präsentation derselben an die B- oder T-Zellen dient die sogenannte M-Zelle des Darmepithels. Sie ist in der Lage, Antigene aufzunehmen und weiterzuleiten. Nur bei intakter physilogischer Darmflora erfolgt die angemessene Immunstimulation durch dieses System: Werden zu wenige Rezeptoren von der Darmflora besetzt, wird das Immunsystem überaktiviert. Es kommt zu multiplen Allergien, Atopie und Neurodermitis. Bei zu geringer Antigenpräsentation ist mit einem Immundefizit zu rechnen.

Die Mikrobiologische Therapie greift nun regulierend in dieses komplizierte System ein und nimmt über die sogenannte Kolonialisationsresistenz Einfluß auf die Immunitätslage des Gesamtorganismus. Sie verändert die Mikrobiologische Barriere, die  auch für die Abwehr pathogener Keimbesiedelung im Darm verantwortlich ist.

Neben der Immunstimulierenden Wirkung hat die Darmflora auch einen Einfluß auf das Ph-Millieu, die energieversorgung des Damepithels, die Produktion von Vitaminen (K, B12, Folsäure, Riboflavin), die Anregung der Darmperistaltik, Enzymproduktion, Transformation von Gallensäuren, Steroiden und Sexualhormonen.

Durch Fehlernährung, Medikamente, u. A. Belastungen kann es zu einem Ungleichgewicht in der Darmflora kommen mit der Folge einer Entzündung des Epithels, der Produktion toxischer Gase und Schlackenstoffen, die dann den Körper vergiften können. So kommt es zu Diarrhö oder Obstipation, Meteorismus, Leberbelastund, Mineral- und Vitaminmangel, Vitalitätsstörung, Pilzbefall.

Die typischen Folgeerkrankungen einer solchen Dysbiose sind:

Depressionen, Angstzustände, Aggressionsstörungen, Konzentrationsstörungen, Hauterkrankungen wie Akne, Neurodermitis, Psoriasis, periorale Dermatitis, Urtikaria, Allergien, rheumatische Erkrankungen, Migräne, Hypertonie, Herzrhythmusstörungen, Stenokardien, Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten, Immunschwäche und Infektanfälligkeit, rezidivierende Sinusitis und Zystitis.

Etwa 80% des Immunsystems hat seinen Sitz im Darm und ist über die M-Zellen vermittelte Antigenpräsentation mit dem Immunsystem des Gesamtorganismus verknüpft. Die Darmflora hat auf das Immunsystem einen entscheidenden modifizierenden Einfluß, außerdem versorgt sie den Körper mit Vitaminen und schützt vor Besiedelung mit pathogenen Keimen und Pilzen. Nach genauer mikrobiologischer Analyse der Darmbakterien ist es möglich durch Zugabe gewisser Darmsymbionten und modulierender Mikroorganismen bzw. antigener Auszüge aus Mikroorganismen, gezielt eine Optimierung des Immunsystems des Gesamtorganismus zu erreichen. Das wird durch die Mikrobiologische Therapie erreicht. Eine Unterstützung kann dabei durch Heilfasten, die Colon-Hydro-Therapie oder der Colon-Immun-Stimulations-Therapie erfolgen. 

Auf Grund der vielen Vorteile, die die Verordnung von Johanniskraut als Tee bietet - er schmeckt übrigens nur leicht bitter, und riecht angenehm wie Heu –, ist nicht zuletzt auch aus wirtschaftlichen Gründen die Verordnung zu Lasten der Krankenkassen aus unserer Sicht zu empfehlen. Alle Ärzte sollten somit Johanniskraut-Tee zu Lasten der GKV verordnen dürfen. Es handelt sich um eine sichere, wirksame und im Vergleich zu den Fertigpräparaten kostengünstigere Phytotherapie. Einzige bekannte Nebenwirkung ist eine seltene Photosensibilisierung.